Dr. med. Hans Huber überraschte die vielen Besucher im Landgasthof Rössle.


Bei 30 Grad las er nicht nur aus seinem Buch "Frech überlebt .
1926 -1950. Kindheit und Jugend in Deutschland" (auf den Fildern in Echterdingen) sondern hielt stehend einen Vortrag über 90 Minuten über sein Leben in dieser Zeit.  
Verwöhnt - verführt- gläubig - begeistert- und letztendlich frech entkommen.
Eine, wie wir finden, bewundernswerte Leistung.

Kreisrätin und Fraktionsvorsitzende der FREIEN WÄHLER Annette Odendahl begrüßte Dr. Huber, Echterdinger Arzt, Heimatforscher und Autor und gratulierte ihm zum gerade erst gefeierten 91. Geburtstag.
Er ist seit 1952 im Gemeinderat der Stadt L-Echterdingen und damit dienstältester Gemeinderat in Baden-Württemberg.
Dr. Huber freut sich, dass nach einer Zeit des Schweigens die Jugend sich wieder für die Zeit vor und nach dem Krieg interessiert.
Er hat Tagebuch geschrieben, Dokumente, Briefe und Bilder gesammelt und berichtet authentisch, direkt und mit viel Humor von seiner Jugend, seiner besonderen Zuneigung zu seiner Großmutter, von seinen Freunden "vom Stamme der Apachen" von guten und strengen Lehrern; auch von Schlägen, die nicht geschadet haben.
"Und alles steht in meinem Buch" - wie er immer wieder betont.
Vom Konfirmandenausflug zu Fuß von Echterdingen übers Siebenmühlental zur Schlößlesmühle und über Stetten wieder heim, und nicht wie heute nach Berlin.

Er hat seine Jugend genossen. Schon früh interessierte er sich für die Fliegerei, und hat sein Abitur 1944 trotz seiner schwächeren Lateinkenntnisse bestanden. "Steht alles in meinem Buch!"
Selbstverständlich hat er in einer  Filderkrautfabrik  "Karriere" vom "Filderkrauttreter" zum Beifahrer gemacht.
Auch Waldenbucher haben dort gearbeitet und bekamen hierbei von ihm sein Lob ab: "Sie waren immer pünktlich mit dem Dampflok-Eisenbahn von Waldenbuch nach Echterdingen gefahren.
Bis eines Morgens der Zug nicht losfuhr und man bemerkte, dass die Dampflok gestohlen war. "Steht alles in dem Buch!"

Während des Krieges habe man vieles nicht mitbekommen. Man war vital und begeistert; man hat gekämpft und überlebt, mit Verletzungen und viel Glück ist man wieder nach Hause gekommen.
Chaos und Alpträume, Rechtfertigung und Fragen blieben offen. Die Lebenslust ist geblieben, trotz Trauer um viele verlorene Kameraden hat Dr. Huber nie seine Lebenslust verloren.
Mit viel Kraft und Energie, auch Glück und Frechheit hat er sein Leben gemeistert.
Viel Falsches sei in der Nachkriegszeit erzählt worden. Das war für ihn "Alten Dackel" (humorige eigene Aussage) der Grund, sein Buch zu schreiben über das Schicksal einer Generation.


In der anschließenden Diskussion stand Dr. Huber noch für Fragen und Hinweise zur Verfügung.
Auch die Kinder und Mütter hätten in der damaligen Zeit viel geleistet, wurde in einem Beitrag angemerkt.



Stadtrat Jürgen Schwab dankte dem Autor im Namen der ganzen Fraktion und des Vereins der FREIEN WÄHLER und der Gästeschar für den tollen Vortrag und überreichte "RITTER-SPEZIALITÄTEN", die sich hoffentlich bei der Hitze nicht verflüssigt haben und "Waldenbucher Entdeckungen" um die Besonderheiten Waldenbuchs zu entdecken.

Jörg Schlotterbeck