" … denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge."   aus: Lukas 2, 7

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

erinnern Sie sich noch an die Krippenspiele Ihrer Kindheit, wenn die Rollen verteilt wurden und niemand den Wirt spielen wollte?
Weil der Wirt in Bethlehem Maria und Josef, die müde und wahrscheinlich scheu und ängstlich vor ihm standen und um Unterkunft baten, barsch abwies.
Er habe keinen Platz. Und wer will schon einen unwirschen Gesellen, mit Schürze vor dem Bauch und unfreundlich in die Hüften gestützten Fäusten spielen?
Gut, Maria und Josef waren  (noch) keine Flüchtlinge.
 In Waldenbuch versuchen wir es gerade ein wenig besser als der Wirt zu machen.
Wir versuchen freundlich zu den inzwischen angekommenen Flüchtlingen zu sein.
Der Freundeskreis der Flüchtlinge engagiert sich mit unzähligen Helfern bei der Betreuung der Ankommenden. Viele Mitbürger bieten Kleider- und Sachspenden an.
Stadtverwaltung und Gemeinderat haben in vielen Zusatzsitzungen Pläne für eine auskömmliche Unterbringung  der Flüchtlingsfamilien beschlossen und die Ausführung in Auftrag gegeben.
Es ist gut, dass Befürchtungen und Kritik frei und öffentlich geäußert wurden. Nur so können Verwaltung und Gemeinderat darauf eingehen und mit Besorgten ins Gespräch kommen.
Ja, wir bemühen uns, ein wenig mehr zu tun als der Wirt.
Der sah Maria und Josef lange ins Gesicht,  bekam Mitleid mit den Fremden und bot dem jungen Paar nach einiger Überlegung seinen Stall an.
Viel Zeit für abwägende Überlegungen blieb den Waldenbucher Gemeinderäten in den letzten 3 Monaten nicht.
Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen, wie es die Gemeindeordnung von uns fordert, Flüchtlingsunterkünfte beschlossen.
Sämtliche Beschlüsse konnten einstimmig gefasst werden - aus Notwendigkeit und menschlichem Gewissen.
Die Forderungen der Gemeinderäte, vorläufige Unterkünfte und Anschlussunterbringungen dezentral und gerecht auf alle sieben Stadtteile zu verteilen, wurden durch die Zuweisungen des Kreises innerhalb von zwei Wochen überholt.
Auch der Wirt von Bethlehem hatte vermutlich schwer mit der unvorhergesehenen Großzahl von Ankommenden zu kämpfen.
Er hat aber, wie ich finde, sich um eine  vorläufige Lösung bemüht und tatsächlich einen ordentlichen Kompromiss gefunden.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,  auch im neuen Jahr 2016 stehen wir vor neuen Aufgaben und sicher auch Kompromissen.
Gemeinsam wird es uns leichter fallen, gute Lösungen zu finden und Flüchtlingen ein menschenwürdiges Zuhause und Perspektiven für die Zukunft zu geben.
Als Gemeinderäte werden wir uns auch 2016, neben unserer täglichen Arbeit, mit viel Engagement für unsere Bürgerinnen und Bürger einsetzen.

Ihre Fraktion der FREIEN WÄHLER:  Annette Dolleschel, Jutta Häcker, Josef Lupion, Karl Neff, Annette Odendahl, Wolfgang Rieth, Jürgen Schwab