Wie wird Deutschland familienfreundlich – auch in Waldenbuch?



Bericht zum Vortrag vom 10.2.2010 im Gasthof Rössle.
Die Fachtagung (24/25.11.09) der Familienforschung BW zu diesem Thema war der Anlass für diesen Vortrag.
Die Problematik weniger Kinder, weniger Erwerbstätige bei zunehmender Lebenserwartung kennt mittlerweile jeder.
Sie wird unsere Sozialstrukturen nachhaltig verändern. Der Schlüssel diesen Trend aufzuhalten oder sogar umzukehren liegt bei den jungen Familien die ihren Kinderwunsch erfüllen möchten.
So stellt sich die Frage: Was sind die Hemmnisse und Bedenken die die junge Generation von der Familiengründung abhält.
Die Antwort ist so vielschichtig wie unsere Gesellschaft. So haben sich Kinder (8-11 Jahre) in einer Studie sehr bestimmt über die Schule, Ganztagsschule, angestrebten Schulabschluss, Freizeitverhalten und die Zeit die El-tern für sie haben geäußert.
Sehr deutlich zeichnete sich ab, dass die Herkunft prägt. Sie prägt so sehr, dass Kinder der unteren Bildungsschicht große Mühe haben einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen oder ihn gar nicht erst anstreben.
Armut ist ein weiteres Hemmnis. 18,4% der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahre sind armutsgefährdet. Diese Problematik setzt sich in den Familienformen fort. 18% der Familien sind Alleinerziehende – mit steigender Tendenz.
Von den alleinerziehenden Müttern haben 55% weniger als 1300 Euro Netto zur Verfügung. Dies sind, für die Kinder in dieser Situation, sehr ungünstige Voraussetzungen über eine gute Ausbildung später eine stabile Familie zu gründen.
Über alle Gesellschaftsschichten hinweg gibt es mit 66% der befragten jungen Familien einen gemeinsamen Wunsch nach Kinderbetreuung. Dabei liegt ein besondere Nachdruck auf der Betreuung der Kinder unter drei Jahre. Damit wird auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesprochen, die für 78% der jungen Familien das Wichtigste ist.
Die Kinderbetreuung wird von vielen als das Bindeglied zur älteren Generation gesehen. Dies könnten unter anderem auch Mehrgenerationenhäuser bieten. Flexible, offene Betreuung ist in diesem Rahmen mit 47% das am häufigsten nachgefragte Angebot. Diese Erfahrung wird zur Zeit deutschlandweit in einem Projekt mit 400 Mehrgenerationenhäuser gemacht.
Dabei sind die Mehrgenerationenhäuser aktive und aktivierende Zentren die sich als Dienstleistungsdrehscheibe verstehen und überwiegend von Ehrenamtlichen betrieben werden. Sie nutzen bestehende Einrichtungen und ergänzen diese entsprechend den lokalen Erfordernissen. Ein Mehrgenerationenhaus kann mit seiner lokalen Betreuungsstruktur allerdings nur einen Beitrag zur Familienfreundlichkeit leisten. Die finanziellen familienbezogenen Leistungen erbringt der Staat. Die Aufwendungen mit über 110 Mrd. Euro sind enorm.
So liegt Deutschland nach einer OECD Studie mit 6800 US-Dollar nach Norwegen an zweiter Stelle.

Aber wichtiger als die finanzielle Unterstützung ist die stabile Bindung der Eltern zu den Kindern, denn sie ist eine wesentliche Grundlage für den Lernerfolg und damit dem Lebenserfolg der Kinder. Man könnte meinen die vielen Zahlen und Fakten, die auf der Tagung vorgestellt wurden, überfluten einen, aber ich glaube, dass sie eine gute Ergänzung und Anregung zu den Ergebnissen der Aktion "Zukunftswerkstatt" in Waldenbuch vom 10. Oktober letzten Jahres sind.


Karl Georg Martin
Quelle:
www.statistik-bw.de/BevoelkGebiet/FaFo/Tagungsdokumentation2009/