100 Tage … neuer Gemeinderat


Die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde hatten vor knapp 100 Tagen die Wahl, und sie hatten entschieden.

Ich danke herzlich allen, die mich gewählt haben, und ich bekunde meinen Respekt den demokratischen Mitbewerbern und deren Wählern.

Unsere Gemeinde steht in Mitte von neuer Aufgaben und Herausforderungen, die die ganze Gemeinde erfasst haben und auch Aufwühlen.

Wir haben viel Arbeit vor uns; aber wir werden es sicher nur gemeinsam schaffen. Überall in Waldenbuch gibt es Ideen und Tatkraft, und in der Tat werden wir eines Tages sagen: Wir haben viel gelernt in dieser Zeit.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, diese Gemeinde ist aktiv und immer kritisch, worauf wir stolz sein können.

Doch sollten wir in Krisenzeiten und Zeiten knapper Finanzen nicht dazu neigen nur in Selbstbezogenheit zu philosophieren. Was bei Entscheidungen für das Gemeinwohl - also das Ganze – sicher nicht das Maß der Dinge sein kann und auch nicht ausschlaggebend sein darf!

Tja, 100 Tage Gemeinderat waren nicht immer einfach – das zeigen die Stimmen in unserer Stadt ganz deutlich – trotzdem sind wir gefordert, nicht nur im kurzfristigen finanziellen Rahmen, sondern bei jeder Aufgabe zu hinterfragen, welche Lehren und Konsequenzen zu ziehen sind für eine künftig bezahlbare Gemeindepolitik.

Schrittweise, zaghaft zu Beginn, später auch von Entschlossenheit geprägt, fanden die ersten Sitzungen zu immer mehr Zusammenarbeit und auch schwierigen und nicht immer populären Entscheidungen.

Wie zum Beispiel die Hallenbad Gebührenerhöhung – Ich habe großes Verständnis für die teilweise heftigen Reaktionen auf die doch enorme Gebührenerhöhung. Jedoch sind die Kostenexplosion, die Attraktivität des Freizeitangebots und gleichzeitig Ortsnähe nicht immer in Einklang zu bringen. Ich glaube aber bei einer Schließung des Hallenbades in Waldenbuch wäre bei weitem mehr verloren gegangen und die Reaktionen auf diese noch unpopulärere Entscheidung wären sicher noch heftiger ausgefallen.

Fragen wir uns doch lieber, was ist uns die Attraktivität unser Stadt den wirklich wert!

Werkrealschule – Dettenhausen und Waldenbuch werden gemeinsam in Waldenbuch eine Werkrealschule versuchen anzubieten.

Eltern, deren Kinder jetzt in die Grundschule gehen, werden zukünftig entscheiden müssen, wo ihr Kind, das die Empfehlung Werkrealschule/Hauptschule erhält, weiter zur Schule geht. An die Hauptschule in Waldenbuch oder in eine Werkrealschule im Nachbarort? Wobei der Nachbarort dann Leinfelden oder Böblingen sein wird.

Für die erforderliche Zweizügigkeit; Dettenhausen und Waldenbuch fehlen uns die nötigen Schülerzahlen. Also denke ich, wir sollten einfach mal den Antrag in der Hoffnung auf eine Ausnahmeregelung stellen. Und uns dafür einsetzen!

Es geht hier um die Zukunft unserer Kinder und dafür brauchen wir viel mehr gute Kinderbetreuung und leistungsstarke Ganztagsschulen.

Grundsteueranhebung unumgänglich – Die Mehreinnahmen einer Grundsteuererhöhung sollen neben den notwendigen und unumgänglichen Einsparungen dazu beitragen, schnellstmöglich wieder einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.

Eine strikte Ausgabedisziplin ist in den kommenden Jahren das Stichwort für eine solide Finanzpolitik unserer Gemeinde.

Pestalozziweg – Lärmbelästigung – hier setze ich große Hoffnung auf die Konzeption unseres Gemeindejugendreferenten. Wie durch unseren Beschluss der in der Gemeinderatsitzung am 10.09.2009 beschlossen wurde für die kommenden drei Jahre die Aufgaben an diesen zu übertragen.

Er soll ein zentraler Ansprechpartner für jeden Bürger in allen Angelegenheiten der Jugend in der Gemeinde sein.

Das Problem der offenen Jugendarbeit bestand in den letzten Jahren allerdings darin, dass sie oftmals nur von einer Clique „besetzt“ wurden. Der integrative Auftrag der Jugendhäuser und Jugendräume für das gesamte Gemeinwesen ging verloren. Berührungsängste zur Vereins- und Verbandsarbeit verstärken noch die Isolation.

Die offene Jugendarbeit wieder als wichtiges Element entsprechend ihrer Bedeutung für das Gemeinwesen ausgestalten, ist eine weitere Aufgabe des Gemeindejugendreferenten.

Dafür sehe ich gute Chancen. Der Preis, den letztlich die Anwohner für das Fehlverhalten einiger weniger tragen müssen, ist zu hoch. Das darf nicht passieren! Der Lernprozess muss nachhaltig sein. Es darf nicht alles wieder vergessen sein, sobald die Welle der Empörung überstanden ist.

Ich werde mich hier nachhaltig für den sozialen Zusammenhalt und die kulturelle Integration der Jugendlichen einsetzen.

Noch besser: Wir brauchen viele attraktive Orte und Institutionen, vom Jugendfreizeitzentrum bis zum öffentlichen Sportplatz, an denen Menschen aus unterschiedlichen Gruppen und mit unterschiedlichen Erfahrungen gern zusammenkommen.

Wir können uns also auf dem Erreichten nicht ausruhen, das verlangt das eigene Verantwortungsbewusstsein. Schluss mit dem oft gleichgültigen Wegsehen.

Eine vitale politische Öffentlichkeit gepaart mit der Mischung von Verantwortlichkeiten, Entscheidungsrechten und Verhandlungs- sowie Sachzwängen, die im Interesse der Bürger umgesetzt werden bieten Chancen im Miteinander.

Also, wir müssen einfach von unserem hohen Ross herunter und uns den Bedürfnissen vor Ort besser annehmen. Mitgefühl und Eigeninteresse sollte uns hier leiten – es sind unsere Kinder, Jugendlichen und unsere künftigen Steuerzahler!

Aber haben Sie bitte auch Verständnis dafür, dass die Rahmenbedingungen für unser bürgerschaftliches Engagement und guten Miteinanders einer attraktiven Gemeinde, die nötigen Entscheidungsspielräume und Gelder sind.

Ihr Josef Lupion